Ein Haus voller Leben: Die Landesakademie ist seit einem Jahr geöffnet
Es sind ungewohnte Klänge, die da durch den Park tönen. Ein hoher Celloton dringt aus einer offenen Tür in der großen Glasfassade und mischt sich mit dem Gesang eines Vogels, der irgendwo in der Krone eines der uralten Bäume sitzt.
[Hannoversche Allgemeine vom 10.7.2010]
Drinnen, im großen Saal der Landesmusikakademie in Wolfenbüttel, proben Musiker des renommierten Ensemble Modern mit Jugendlichen, die in diesem Jahr beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ erfolgreich waren. Draußen steht Johann-Friedrich Graf Brockdorff unter einem Baum und schwärmt von der Strahlkraft der Dozenten und der Qualität der Nachwuchsmusiker. Ein Schlagzeuggrummeln dringt durch die Luft und verunsichert den Vogel, der jetzt verstummt. „Ich liebe klassische Musik“, sagt Brockdorff, „dafür schlägt mein Herz.“
In Wolfenbüttel ist er daher genau richtig. Seit März ist der 40-Jährige Geschäftsführer der im vergangenen Sommer eröffneten Musikakademie. Zuvor hat der Betriebswirt, der auch diplomierter Hornist ist, bei einer Konzertagentur und beim Bundesverband Musikindustrie gearbeitet. Nun soll er die hohen Erwartungen einlösen, die in der jahrelangen Planungsphase an die Akademie geknüpft wurden. Vor allem die Arbeit mit dem musikalischem Nachwuchs soll in Wolfenbüttel einen Qualitätsschub erfahren. Ein Meisterkurs wie der mit den Neue-Musik-Profis aus Frankfurt passt daher gut ins Profil – wenn auch die Arbeit mit dem Ensemble Modern noch gar kein eigenes Projekt der Akademie ist. Epoche F, eine Initiative für Neue Musik aus Göttingen, arbeitet bereits seit drei Jahren mit den Frankfurtern zusammen. Aber es spricht für die guten Bedingungen in Wolfenbüttel, wenn Epoche F diese Arbeit künftig am liebsten in Wolfenbüttel fortführen möchte.
So füllt sich nach und nach der Belegungsplan der Akademie. Schon jetzt muss Brockdorff bei den beliebtesten Zeiten passen: Am Wochenende oder in den Ferien ist in Wolfenbüttel kaum noch ein Platz zu bekommen. Für dieses Jahr rechnet Brockdorff mit rund 10.000 Gästen in seinem Haus. „Ich denke, die Erwartungen sind schon jetzt übertroffen“, sagt er.
Zukunftssorgen hat er daher nicht – auch wenn der wohl wichtigste Unterstützer jetzt nicht mehr in der niedersächsischen Staatskanzlei, sondern im Schloss Bellevue sitzt. „Wir hoffen, dass Wulffs Nachfolger ein ähnlich großes Interesse an musikalischer Bildungsarbeit hat“, sagt Brockdorff. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, entscheidet sich spätestens 2014: Dann läuft eine Zielvereinbarung mit dem Land aus, die den Betrieb der Akademie sichert.
Quelle: HAZ – Hannoversche Allgemeine



